FluchtwegDas Zeichen beschreibt die Richtung zum nächstgelegenen Notausgang. Im Notfall sollten deshalb diese Fluchtwege genutzt werden.

Ein Fluchtweg ist ein Weg, der einem hilft, sich in einer Gefahrensituation aus dem Gebäude in Sicherheit zu bringen. Die Anforderungen an einen solchen Weg sind in der Arbeitsstättenregel (ASR) A2.3 (Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsweg) festgelegt.

Welche Kriterien gibt es zur Einhaltung von Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit?

Die Bestimmungen besagen, dass Fluchtwege und Notausgänge:

a) sich in Anzahl, Anordnung und Abmessung nach der Nutzung, der Einrichtung und den Abmessungen der Arbeitsstätte sowie nach der höchstmöglichen Anzahl der dort anwesenden Menschen richten,

b) auf möglichst kurzem Weg ins Freie oder, falls dies nicht möglich ist, in einen gesicherten Bereich führen,

c) in angemessener Form und dauerhaft gekennzeichnet sein.

Wie breit muss ein Fluchtweg sein?

Die Breite des Fluchtweges ist abhängig von der Anzahl der Personen, die im Notfall, den jeweiligen Weg nutzen würden. Die Angabe der Mindestbreite wird in Metern angegeben. Es wird in diesem Zusammenhang von Lichtweite gesprochen. Lichte Weite bezeichnet das Maß der nutzbaren inneren Abstände, beispielsweise von Wand zu Wand.

Anzahl der Personen Bis 5 Bis 20 Bis 200 Bis 300 Bis 400
Lichte Weite (in Metern) 0,875 1,00 1,20 1,80 2,40

 

Sofern nur maximal 5 Menschen den Weg zum Entkommen nutzen, darf in Ausnahmefällen, die Mindestweite auf 80 cm verringert werden. Dies ist beispielsweise für eine Tür auf einem Flur zulässig.

Wie hoch muss der Weg sein?

Auch ist festgelegt, dass die lichte Höhe des Weges mindestens 2 Meter betragen muss. Dies gilt auch für Türen. Solange die Tür aber mindestens 1,95 m hoch ist, ist das kein Problem.

Wie lang darf der Weg maximal sein?

Im Gegensatz zum Breitenmaß ist es bei der Länge vorgesehen, Fluchtwege möglichst kurz zu halten. Von dem Startpunkt muss innerhalb der vorgegebenen Reichweite ein sicherer Ort im Freien oder ein Fluchtwegbereich erreichbar sein. Zu den gesicherten Bereichen zählen beispielsweise Treppenhäuser oder Außentreppen.

Auf dem Bild ist der Fluchtweg eines Hauses zu sehen.Grundsätzlich gilt für Räume, dass (a) die Länge maximal bis zu 35 Metern betragen darf. Es gibt aber auch bestimmte Sonderregelungen:

  • b) brandgefährdete Räume mit selbsttätigen Feuerlöscheinrichtungen dürfen Fluchtwege bis zu 35 m haben
  • c) bei brandgefährdeten Räumen ohne selbsttätige Feuerlöscheinrichtungen darf der Weg 25 m lang sein
  • d) für giftstoffgefährdete Räume gilt ein Weg zum Flüchten von maximal 20 m
  • e) explosionsgefährdete Räume, ausgenommen Räume, die im letzten Punkt beschrieben sind, bis zu 20 m
  • f) der Weg darf bei explosivstoffgefährdeten Räumen 10 Meter nicht     überschreiten

Die wirkliche Laufweglänge darf maximal 1,5-fach so lang sein wie die Länge des Fluchtweges. Sofern es sich zusätzlich um einen Rettungsweg handelt, können die Vorgaben laut Bauordnungsrecht davon abweichen. Die Anwendung des Bauordnungsrechts und somit die „Verlängerung“ des Weges ist nur zulässig für die beschriebenen Fälle a, b und c.

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Unterschied zwischen Fluchtwegen und Rettungswegen

Bei Fluchtwegen spricht man von Wegen, die Personen und Tieren in einem Gebäude nutzen sollen, um sich in Sicherheit zu bringen. Der Fokus liegt also auf der Selbstrettung.

Rettungswege hingegen sind Wege, die Feuerwehrmännern und -frauen zum Beispiel zur Bergung dienen. Damit steht die Fremdrettung im Vordergrund. Dadurch sollen nicht nur Menschen und Tiere gesichert werden, sondern zugleich bieten die Wege Möglichkeiten zur Brandbekämpfung.

In einigen Fällen können Fluchtwege auch zugleich Rettungswege sein, sofern die Wege selbständig begangen werden können. Es kann aber auch sein, dass beispielsweise die Sonderbauverordnung vorgibt, dass die Rettungswege nur von den Einsatzkräften betreten werden dürfen.

Was zählt als Fluchtweg?

  • Notwendiger Flur
  • Notwendige Treppe mit notwendigen Treppenraum
  • Nicht notwendige Treppen
  • Notleitern

Als notwendige Flure bezeichnet man horizontale Wege, die sich zwischen Nutzungseinheiten und dem Treppenhaus bzw. dem Weg ins Freie, befinden. Die detaillierten Anforderungen daran findet man im §36 (1) MBO.

Bei notwendigen Treppenraum handelt es sich um einen festen Bestandteil des Flucht- bzw. Rettungsweges. Dieser ist erforderlich zum sicheren Abgang aus nicht-ebenerdigen Geschossen. Im Bauordnungsrecht werden sie von nicht notwendigen Treppen unterschieden. Die gesetzlichen Vorschriften an diese Treppenräume sind in §35 (1) MBO geregelt.

Darüber hinaus gibt es eine Regelung bezüglich dem ersten und dem zweiten Rettungsweg.

Als Erster Fluchtweg wird der baulich feste Weg bezeichnet, den jeder ohne fremde Hilfe begehen kann. Er muss entsprechend der Dimensionen der zu erwartender flüchtenden Personenzahl angepasst werden.

Dem gegenüber steht der zweite Fluchtweg. Hierbei wird unterschieden zwischen einer ebenfalls baulich und ständig vorhandenen Einrichtung und einem im Gefahrenfall bereitgestellten Weg. Im ersten Fall muss der Weg ohne weitere Hilfe begehbar sein.

Der im Gefahrenfall bereitgestellte zweite Weg wird meistens durch Rettungskräfte verfügbar gemacht. Beispiele dafür sind Drehleitern oder tragbare Leitern. Allerdings ist es nur möglich eine kleine Personenzahl über diesen Weg zu retten.

Bei Gebäuden mit einer hohen zu rettenden Personenanzahl, muss es einen zweiten baulichen Weg zum Flüchten geben. Dies gilt ebenfalls für Hochhäuser, da es für die Einsatzkräfte nicht möglich ist, alle Stockwerke mit Rettungsgeräten zu erreichen.

Was darf in einem solchen Weg stehen?

Ist ein Weg für eine mögliche Flucht im Notfall ausgewiesen, muss dieser freigehalten werden. Daher ist es verboten, den zusätzlichen Platz mit irgendwelchen Gegenständen und Sachen zuzustellen. Die Gegenstände stellen bei der Flucht Hindernisse dar. Ebenfalls ist es verboten, dass der Zugang zu diesen Wegen bzw. nach draußen verschlossen sind.

Notfalltüren werden mit sogenannten Panikschlössern ausgestattet. Dadurch ist es möglich, dass man das Gebäude im Notfall verlassen kann, auch ohne passenden Schlüssel. Zugleich ist es aber nicht möglich ohne weiteres die Tür von außen zu öffnen.

Was muss beim Erstellen eines Fluchtweges beachtet werden?

Auf dem Foto ist eine Steigleiter der Feuerwehr zu sehen. Im Fluchtplan müssen viele Aspekte berücksichtigt werden, beispielsweise die Einhaltung der Fluchtwegbreite.Arbeitgeber sind unter Umständen dazu verpflichtet einen Flucht- und Rettungsplan zu erstellen. Der Plan muss für alle Bereiche erstellt werden, die dies erfordern. Gründe, die eine Erstellung erforderlich machen sind:

– unübersichtliche Fluchtwegführung

– hoher Anteil an ortsunkundigen Menschen

– Bereiche mit erhöhter Gefährdung

Gefährdungsbeurteilung

Die Gefährdungsbeurteilung dient dazu, die möglichen Gefahren für Mitarbeiter zu analysieren und entsprechend geeignete Schutzmaßnahmen anzuordnen. In diesem Zusammenhang gehört auch die Beurteilung der Fluchtwege. Das ist eine der Pflichten, die ein Unternehmer zu befolgen hat.

Fachkräften für Arbeitssicherheit oder von Betriebsärzten dürfen den Arbeitgeber bei der Erstellung unterstützen. Wichtig ist, dass die Gefährdungsbeurteilung am Ende schriftlich vorliegt.

Werden die Vorgaben nicht eingehalten, drohen mitunter saftige Strafen. Die Bußgelder sind 5-stellig und Unternehmen sollten das Geld daher besser in sinnvolle und nachhaltige Sicherheitsmaßnahmen investieren.

Wie müssen diese besonderen Wege gekennzeichnet werden?

Der Weg muss beleuchtet werden. In diesem Zusammenhang gibt es die Sicherheitsbeleuchtung und die Rettungs- und Brandschutzzeichen. Darüber hinaus kann auch ein optisches Sicherheitsleitsystem gefordert werden. Die Kennzeichnung von Rettungswegen soll im Brandfall (oder anderen Gefahrenlagen, in denen eine Evakuierung nötig ist) den Menschen Orientierung zum kürzesten Weg zum Flüchten bieten.

Sicherheitsbeleuchtung

Sie müssen sicherstellen, dass die Fluchtwege ausreichend beleuchtet sind. Die Beleuchtung ermöglicht das gefahrlose Verlassen der Gefahrensituation. Es muss gewährleistet sein, dass sie auch bei Ausfall der Hauptbeleuchtungsanlage funktioniert.

Die Sicherheitsbeleuchtung muss bei Ausfall der eigentlichen Beleuchtungsanlage sich automatisch anschalten und muss für mindestens eine Stunde selbständig leuchten. Dies kann beispielsweise durch Batterien ermöglicht werden.

Auszeichnung

Die Anforderung an die Beschilderung sind in der Arbeitsstättenregel ASR 1.3 niedergeschrieben. Sicherheitszeichen sind Teil des Ganzen und besitzen eine hohe Wichtigkeit.

Was sind Sicherheitszeichen und worauf muss geachtet werden?

Sicherheitszeichen sind Leitsysteme mit Kontrastfarben wie grün und weiß. Sie sollten mit den Maßen und Darstellungen einer DIN 4844 Größe erfolgen. Wichtig ist, dass die grafischen Symbole dauerhaft, ständig beleuchtet und für Menschen mit Behinderungen deutlich lesbar sein sollten. Denn hierbei sollten barrierefreie Informationen durch Sehen, Hören oder Fühlen z.B. mit Händen oder Füßen wahrnehmbar gestaltet werden.

Unterschied zwischen Notausgang und Fluchtweg

Der Fluchtweg beschreibt den Weg, den Menschen in einer Notsituation nutzen sollten, um sich in Sicherheit zu bringen. Der Notausgang hingegen ist am Ende oder im Verlauf eines Fluchtweges. Durch den Notausgang kommt man direkt in einen gesicherten Bereich oder sogar direkt ins Freie.

Ausnahmen

Es gibt aber auch Bereiche, die von der Vorschrift ausgenommen sind. Eine Ausnahme bezieht sich beispielsweise auf Arbeitsstätten im Freien. Ebenfalls sind Baustellen sowie Bereiche, in denen nur aus Wartungs- und Reparaturgründen gearbeitet wird, davon nicht betroffen.

Fenster und Türen

Eine Tür, die sich auf dem Weg eines Fluchtweges befindet, muss sich besonders leicht öffnen lassen. Das gleiche gilt für eine Tür, die als Notausgang dient. Auf dem Bild ist eine Markierung als Rettungsweg zu sehen. Solche Markierungen sind Teil eines Flucht- und Rettungsplans.Zum Öffnen dürfen keine besonderen Hilfsmittel nötig sein. Die ASR schreibt vor, dass sich die Ausgänge (Tür) in die Fluchtrichtung öffnen lassen müssen, sprich nach außen.

Türen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle im Brandschutz. Sie sind dazu da, die Ausbreitung der Feuer- und Rauchentwicklung zu verhindern. Aus diesem Grund dürfen sie auch nicht beispielsweise durch Gegenstände dauerhaft aufstehen oder blockiert werden.

Eine andere Option ist, dass Fenster optional als Notausstiege zu nutzen. Dafür müssen stabile Fensterbänke eingeplant werden, um die Personen tragen zu können. Unter Umständen müssen Unternehmen zusätzlich Zugangshilfen anbringen, um das Betreten zu vereinfachen.