Unterweisung im Unternehmen – Schikane, notwendiges Übel oder die Chance messbare Ergebnisse zu erzielen?

Mindestens einmal im Jahr oder wenn ein Mitarbeiter neu in den Betrieb kommt, ist sie fällig: die Unterweisung. Doch ist sie nur notwendiges Übel oder eine lästige Unterweisung im Unternehmen durchführenPflicht oder ist sie eine Chance für messbare Ergebnisse im Betrieb?

Was ist eine Unterweisung überhaupt?

Unterweisungen sollen Mitarbeitern im Betrieb dabei helfen, sicherer und gesundheitsgerechter ihrer Arbeit nachzugehen. Zudem sollen sie die im Unternehmen festgelegten Schutzmaßnahmen wieder in das Gedächtnis bringen.

Für die Unterweisung gibt es unterschiedliche, gesetzliche Vorgaben. Diese sind zum Beispiel im Arbeitsschutzgesetz, in der Gefahrstoffverordnung, in dem Jugendarbeitsschutzgesetz oder auch im Mutterschutzgesetz beschrieben. Die Vorgaben sind somit in die großen Themenbereiche Arbeitsschutz, Brandschutz und Gesundheitsschutz eingebunden.

Neben den allgemeinen Themen wie Rechte und Pflichten, Brandschutz oder Erste Hilfe sollten auch individuelle, betriebsspezifische Themen besprochen werden. Hierzu zählt etwa die Arbeit an Maschinen, die Sicherheit beim Staplerverkehr, die richtige ergonomische Einstellungen von Bildschirmarbeitsplätzen oder auch das rückengerechte Arbeiten im Betrieb.

Mehr als Pflichterfüllung für die Arbeitssicherheit?

Aber natürlich sollte eine Unterweisung nicht nur zur gesetzlichen Pflichterfüllung dienen. Denn dies sorgt dafür, dass die Unterweisung dann doch zum notwendigen Übel wird und als langweilige Pflichtveranstaltung gesehen wird.

Vielmehr sollte sie so gestaltet werden, dass die Beschäftigten auch tatsächlich wichtige Informationen zu den Themen Sicherheit und Arbeitsschutz im Betrieb erhalten. Nur so lernen sie etwas und können für ihren Berufsalltag wichtige Informationen mitnehmen. (Gut zu wissen: Auf unserer Seite https://arbeitsschutz-zentrum-petrich.de/ berichten wir über regelmäßig über alle relevanten Themen.)

Das heißt: Die Informationen müssen gut aufbereitet sein und vor allem müssen sie auch für den Zuhörer interessant und einprägend präsentiert werden. Dabei ist darauf zu achten, dass auch Beschäftigte, die schlecht oder kaum Deutsch sprechen, die Unterweisung verstehen und die angesprochenen Punkte im beruflichen Alltag anwenden können.

Unterweisungen können auf ganz unterschiedliche Arten erfolgen. Zum Beispiel hat sich der Vortrag mit praktischen Bezugspunkten oder auch praktischen Übungen in den Betrieben bewährt, oft werden auch kleine Filmchen oder Broschüren gezeigt.

Wie funktioniert lernen?

Doch wie funktioniert das Thema Lernen denn am besten? Hierzu unternehmen wir am besten einen kurzen Ausflug in die Lernpsychologie. Das menschliche Gehirn ist nämlich ist ein Wunderwerk und zu außerordentlichen Leistungen im Stande.

LernenDennoch sind auch seine Kapazität und Funktionalität begrenzt. Diesen Fakt gilt es in der Planung einer Unterweisung zu beachten. Die Neurowissenschaften bringen einige interessante Erkenntnisse über die Funktionen des Gehirns hervor, die auch beim Lernen eine Rolle spielen und anhand derer Lernmethoden entwickelt werden. Mit diesen kann die Effektivität des Lernens enorm gesteigert werden.

Über die Sinnesorgane nehmen wir über den Tag verteilt viele Informationen auf, die dann im Gehirn verarbeitet und gespeichert werden. Je nach Qualität der aufgenommenen Informationen speichern wir diese im Kurz- oder im Langzeitgedächtnis ab.

Wie lange wir eine Information speichern hängt aber nicht nur von deren individuellen Wichtigkeit ab, sondern zunächst davon, wie die Information überhaupt erst ins Gehirn gelangt ist. Für das Behalten von wichtigen Informationen, wie die Inhalte einer Unterweisung, können wir festhalten: je mehr Kanäle bei der Informationsaufnahme gleichzeitig angesprochen werden, desto eher wird diese Information von euren Mitarbeitern für einen längeren Zeitraum behalten.

Selbst machen führt zum Erfolg

Als Faustformel können wir die Erkenntnisse wie folgt anwenden: MitarbeiterInnen lernen am besten, wenn sie das angesprochene selbst machen. Zum Beispiel wenn sie ihre persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz selbst anlegen müssen und das richtige Verbindungsmittel für die anstehende Arbeit selbst auswählen müssen.

Hier spricht die Lernpsychologie von „Selber machen“. Dabei besteht eine Wahrscheinlichkeit von 90 %, dass der Mitarbeiter das Gelernte behält und in der Praxis auch sicher anwenden kann. Wenn der Mitarbeiter das vorgetragene aber nur nacherzählen oder erklären soll, liegt die Wahrscheinlich das der Mitarbeiter das Unterwiesene behält nur noch bei etwa 70 %.

Beim klassischen PowerPoint Vortrag, also beim Hören und Sehen, behalten die Mitarbeiter sogar nur noch 50 % des Gelernten. Und so nimmt der Lernerfolg ab, je weniger Sinne angesprochen werden.

Beim Lesen, also das zu Lernende nur noch Sehen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Mitarbeiter das Unterwiesene behält nur noch circa 30 % groß. Und wenn der Mitarbeiter das Unterwiesene nur hört, dann liegt die Wahrscheinlichkeit sogar nur noch bei 20 %. Es ist also schon wichtig wie die Unterweisung abgehalten wird.

Vorbildfunktion erhöht den Erfolg

Wer also jemandem anderen etwas erklären will, der muss dies zuvor selbst verstanden, also z.B. gelesen oder gehört haben. Wer etwas ausprobiert oder anwendet, verknüpft mit der eigentlichen Information bereits den gesamten Geschehensablauf, weshalb das Ergebnis im Gehirn fester verankert wird, als hätte er dasselbe Ergebnis lediglich bei jemandem anderen beobachtet.

Jedes Unternehmen schafft mit Unterweisungen auch Vorbilder, sodass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegenseitig stärken und helfen können, wenn es um Arbeitsschutz geht.

Wenn Ihr zum Beispiel Mitarbeiter habt, die in ihrer Freizeit in der Feuerwehr tätig sind, könnt ihr diesen Mitarbeitern die wichtige Aufgabe der Brandschutzunterweisung geben.

Da der Brandschutz eh seine Leidenschaft ist, wird er das Thema viel besser an den Mann oder die Frau bringen als der Mitarbeiter, für den dies nur eine lästige Zusatzaufgabe wäre. Erfolg beim Unterweisen

Diese Vorgehensweise lässt sich leicht auch auf andere Bereiche in euren Unternehmen adaptieren. Der Kletterer zum Beispiel kann die Unterweisung der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz übernehmen, und so weiter.

So liefern diese Veranstaltungen die Möglichkeit, neue Kenntnisse und Fähigkeiten im Bereich Arbeitsschutz oder Arbeitssicherheit zu erwerben und vorhandene Kenntnisse aufzufrischen, um diese dann in der Praxis sicher anwenden zu können.

Warum wird die Unterweisung als Schikane gesehen?

Gerade in Großbetrieben und bei langjährigen Mitarbeitern wird eine Unterweisung eher als Schikane und „verlorene Zeit“, in der Arbeit nicht nachgegangen werden kann, gesehen. Dadurch wird der Erfolg der Unterweisung natürlich enorm geschmälert. Gründe hierfür können verschiedenen Ursprungs sein:

Viele Mitarbeiter gehen heutzutage davon aus, dass die Unterweisung, die den gleichen Titel wie im letzten Jahr trägt, auch die gleichen Themen und Vorgehensweisen beinhaltet. Und damit liegen die Mitarbeiter oft auch nicht ganz so falsch.

Denn häufig werden die gleichen PowerPoint Folien an die Wand geworfen und vom Verantwortlichen vorgelesen. Dies führt dann eben im Kollegenkreis zu einer flächendeckenden Ablehnung diesem Thema gegenüber. Es werden allerdings regelmäßig Verordnungen und Vorschriften ergänzt und erweitert, sodass für jeden immer aktuelle Themen weitergegeben werden müssen.

Wir sehen also, dass auch die Qualität der Unterweisung, die Methode, wie das Thema rübergebracht wird und die Aktualität der Unterweisungsthemen einen erheblichen Anteil hat und über den Erfolg und den Mehrwert für das Unternehmen entscheidet. Denn gelebte Arbeitssicherheit bietet einen erheblichen Mehrwert für den gesamten Firmenerfolg und wird häufig unterschätzt.

Aber wann wird eine Unterweisung nun zum notwendigen Übel?

Oder besser formuliert, wann muss denn ein Mitarbeiter im Unternehmen unterwiesen werden? Eine Unterweisung wird immer dann notwendig sein, wenn es zur Missachtung von Vorschriften und Arbeitsanweisungen oder gar zu Arbeitsunfällen gekommen ist.

Missachtungen können zum Beispiel das Nichteinhalten von Vorfahrtsregeln auf dem Betriebsgelände sein. Aber auch eine nicht getragene Schutzbrille an einer Standbohrmaschine oder generell das nicht-tragen von vorgeschriebener persönlicher Schutzausrüstung zieht eine Unterweisung nach sich.

Aber auch wenn neue Maschinen angeschafft und betrieben werden, sei es ein neues Folienschweißgerät, ein neuer Rasenmäher oder aber eine komplexe Fertigungsanlage ist das ein Anlass. So muss eine Unterweisung ebenso zwingend stattfinden, wenn neue Verfahren eingeführt werden (bspw. das Umstellen von Brennschneiden auf Wasserschneiden).

Abgabe der Aufgabe

Diese Unterweisung könnt ihr ganz leicht auf den Ersteller der Maschinen „abwälzen“. Denn die Einweisung muss dieser sowieso abhalten, dementsprechend kann er auch gleich die sicherheitsrelevanten Punkte ansprechen. Ein weiteres Beispiel wäre die Ergänzung der benötigten Betriebs- oder Gefahrstoffe.

Der Umgang und die Gefahr, die von einem Betriebsstoff ausgeht, müssen geschult werden und jedem bekannt sein. Hierbei hilft z.B. auch die Betriebsanweisung Gefahrstoffe. Jeder Mitarbeiter, der Arbeitsmittel bedienen und Verfahren beherrschen soll, muss also unterwiesen werden.

Kommt es im Betrieb zu einem Arbeitsunfall oder zu einem sogenannten beinahe Unfall, ist auch hier eine Unterweisung zwingend nötig. Gerade in einem solchen Fall ist es wichtig, dass genau analysiert wird, welche Faktoren zu diesem Unfall beigetragen haben. Der Erkenntnisse und die richtigen Schlüsse aus dieser anlassbezogenen Gefährdungsbeurteilung müssen Sie dann in jedem Fall in einer anlassbezogen Unterweisung mit den Kollegen besprechen.

Weiterhin ist eine Unterweisung natürlich regelmäßig durchzuführen. In vielen Fällen ist es verpflichtend sie sogar jährlich zu dokumentieren. Einen Unterschied gibt es bei Mitarbeitern, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Diese unter das Jugendarbeitsschutzgesetz fallende Mitarbeiter müssen sogar alle 6 Monate über die Arbeitsschutzvorschriften informiert werden. Da sich diese Mitarbeiter aber meist in einer Ausbildung befinden, kann man diese Unterweisungen auch in die täglichen Ausbildungsthemen integrieren.

Wann wird die Unterweisung zur Chance für messbare Ergebnisse?

Unterweisung erzeugt messbare ErgebnisseWenn ihr euch in euren Betrieben an die genannten Punkte haltet und die Unterweisungen auf den Betrieb nicht nur angepasst, sondern auch interessant gestaltet, werden sich Unfälle und die daraus folgenden Krankheitstage merkbar reduzieren und somit messbare Erfolge bringen.

Auch ein großer Vorteil ist das Sicherheitsbewusstsein beim Benutzen von Maschinen und Werkzeugen. Hier achten Mitarbeiter deutlich besser darauf, dass wirklich nur das richtige Werkzeug für die jeweilige Arbeit eingesetzt wird. Das verlängert schließlich die Lebensdauer und schont das Firmenkonto erheblich.

Kurz gesagt – Ein erheblicher Mehrwert wird geschaffen, wenn ihr auf die folgenden Punkte achtet:

  • richtige Unterweisung
  • durchgeführt von passenden Personen
  • interessant gestaltet 

Vor allem gesunde und zufrieden Mitarbeiter sind in der heutigen Zeit mehr wert als vieles andere und das gilt es zu schützen. Wenn Ihr Fragen oder Anregungen habt, dann schreibt sie uns gerne. Wir arbeiten mit euch zusammen das passende Konzept für euren Betrieb aus. Unsere praxiserprobten Profis unterweisen auch gerne eure Mitarbeiter. Gemeinsam finden wir den für euch besten Weg auch euer Unternehmen sicherer und somit profitabler aufzustellen. Meldet euch einfach unverbindlich bei uns!

Viele Grüße

Euer Arbeitsschutz Zentrum Petrich