ArbeitszeitgesetzAuf dem Bild ist eine Frau zu sehen, die sich in einem Zeiterfassungssystem einloggen möchte. Arbeitgeber sind nach dem Arbeitszeitgesetz verpflichtet, Überstunden zu dokumentieren.

Bei dem Jobeinstieg und auch im beruflichen Alltag kommen regelmäßig Fragen zum Arbeitszeitgesetz auf. In diesem Ratgeber geben wir einen kurzen Überblick über das Gesetz und die wichtigsten Inhalte.

Was besagt das Arbeitszeitgesetz?

Das Arbeitszeitgesetz regelt die gesetzlich zulässigen Arbeitszeiten sowie die notwendigen Pausenzeiten. Das Gesetz wird auch als ArbZG abgekürzt. Es wird als ein eigenständiges Teilgebiet des Arbeitsschutzes angesehen (weiterführende Informationen zum Schutz der Beschäftigten werden im Arbeitsschutzgesetz sowie unter www.arbeitsschutz-zentrum-petrich.de aufgeführt).

Als Arbeitszeit wird die Zeit betrachtet, die mit Beginn der Arbeit startet und aufhört mit dem Ende der Tätigkeit. Allerdings müssen die Pausen bei der Berechnung herausgerechnet werden. Bei mehreren Arbeitgebern müssen die verschiedenen Arbeitszeiten wiederum zusammengerechnet werden. Als Ausnahme gelten die Arbeiten im Bergbau unter Tage. In diesem Fall werden auch die Ruhezeiten zur Arbeitszeit gerechnet.

Gesundheitliche Probleme können auftreten sobald der Körper unter einer hohen zeitlichen Beanspruchung steht. Ziel des Gesetzes ist es daher die Vermeidung bzw. Verminderung von Gefahren und Arbeitsunfällen am Arbeitsplatz, die durch eine hohe Arbeitsdauer auftreten können und somit die Arbeitssicherheit zu gewährleisten.

Exkurs Arbeitszeitdefinition

Um zu wissen, wie viele Arbeitsstunden der Beschäftigte gearbeitet hat muss zunächst geklärt werden, was alles dazu gehört.

Der Arbeitsweg gehört nicht mit in die Arbeitszeitberechnung. Ein Sonderfall besteht diesbezüglich im versicherungsrechtlichen Sinne, denn das Arbeitsschutzgesetz schließt den Arbeitsweg mit ein. Auch das Umkleiden wird nur als Arbeitszeit verstanden, sofern der Arbeitgeber eine bestimmte Arbeitskleidung vorschreibt und das Umziehen im Betrieb erfolgen muss. Dementsprechend beginnt die Arbeitszeit erst mit Arbeitsbeginn.

Wer unterliegt dem Gesetz?

Dem Gesetz unterliegen alle Arbeitnehmer. Ausgenommen sind leitende Angestellte, Chefärzte sowie Beschäftigte im liturgischen Bereich der Kirchen und Religionsgemeinschaften. Ebenso werden Personen, die minderjährig sind, freiberufliche Mitarbeiter, Beamte, Richter und Soldaten in dem Gesetz nicht eingeschlossen.

Doch wie viele Wochenstunden dürfen die Beschäftigten denn maximal arbeiten?

Arbeitnehmerarbeitszeiten

Grundsätzlich gilt, dass eine arbeitende Person die werktägliche Arbeitszeit 8 Stunden nicht überschreiten darf. Eine Verlängerung auf 10 Arbeitsstunden täglich ist nur dann zulässig, wenn innerhalb von 6 Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen der Durchschnitt von 8 Stunden täglich nicht überschritten wird.

Pro Woche darf ein Arbeitnehmer maximal 48 Stunden arbeiten. Übers Jahr gerechnet bestimmt das ArbZG eine maximale Arbeitsdauer von 2.304 Arbeitsstunden. Bei einer 6-Tage-Woche würde das 48 Arbeitswochen bedeuten, da 4 Urlaubswochen gesetzlich vorgeschrieben sind. Kurzfristig darf die Arbeitszeit auf 60 Wochenstunden erhöht werden, allerdings nur unter Voraussetzung, dass sie wieder ausgeglichen wird.Auf dem Bild ist zu sehen, dass Arbeitnehmer häufig Zeitstress haben. Um Konzentrationsfähig zu bleiben ist die Einhaltung der vorgeschriebenen Pausen im Gesetz zur Arbeitszeit sehr wichtig.

Dadurch, dass in vielen Berufen nur eine 5-Arbeitstage-Woche vorherrscht, kann dementsprechend mehr gearbeitet werden. Im Schnitt können 9,6 Arbeitsstunden genutzt werden, ohne gegen das Gesetz zu verstoßen [9,6 multipliziert mit 5 Arbeitstagen geteilt durch 6 Werktage ergibt einen 8-Stunden-Tag]. Weiterhin bleibt trotzdem die Grenze von 10 Arbeitsstunden pro Tag geltend, die im Anschluss wieder ausgeglichen werden müssen.

Ruhepause

Der Beschäftigte ist verpflichtet Ruhepausen einzuhalten. Dabei hängt die Mindestdauer der Pause von der geleisteten Arbeitsdauer am Tag ab. Pausen bzw. Unterbrechungen sind notwendig, um die Konzentration aufrechterhalten zu können.

Arbeitszeit am Tag Mindestminutendauer der Pause
Bis 6 Stunden 0 Min.
Zwischen 6 – 9 Stunden 30 Min.
Mehr als 9 Stunden 45 Min.

Die Aufteilung der Pausenzeiten kann in mehrere kleine Ruhepausen von mindestens 15 Minuten vorgenommen werden. Somit wäre es möglich bei einer werktäglichen Arbeitszeit von 9 Stunden täglich 3 Pausen à 15 Minuten zu machen (insgesamt 45 Minuten).

Ruhezeit

Um zur Erholung des Arbeitnehmers beizutragen, ist es gesetzlich ebenfalls geregelt, wie viel Ruhe-/ Freizeit dem Arbeitnehmer zwischen Beendigung und Wiederaufnahme der Tätigkeit am nächsten Arbeitstag liegen muss. In Deutschland ist vorgeschrieben, dass diese freie Zeit insgesamt mindestens 11 Stunden betragen muss.

Aber auch für diesen Bereich gibt es Ausnahmen. Wer beispielsweise in einem Krankenhaus oder einer anderen pflegenden Einrichtung arbeitet darf die Ruhezeit um maximal 1 Stunde verkürzen, sofern die verkürzte Ruhezeit innerhalb von einem Monat nachgeholt wird. Dieselbe Regelung gilt für Personen in Verkehrsbetrieben, der Gastronomie oder Landwirtschaft. Sonderregelungen betreffen auch insbesondere Kraftfahrer und ihre Lenkzeiten.

Sonderfall Nachtschicht

Für die Nachtschicht gibt es besondere Regelungen im Arbeitsrecht, Dennoch dürfen auch Personen, die in der Nachtschicht arbeiten, im Durchschnitt die 8 Stunden nicht überschreiten. Eine Verlängerung auf eine 10 Stundendauer ist nur möglich, sofern der Ausgleich innerhalb der folgenden vier Wochen erfolgt. Diese Personen müssen sich in einem Zeitraum von 1-3 Jahren arbeitsmedizinisch untersuchen lassen. Die Kosten dafür trägt der Arbeitgeber.

Wenn die Untersuchung ergibt, dass die Nacharbeit gesundheitsgefährdend ist, muss ein Tagesarbeitsplatz angeboten werden. Dasselbe gilt, falls die oder der Arbeitnehmer ein Kind im Alter von 12 Jahren betreuen oder einen schwer pflegebedürftigen Angehörigen pflegen muss.

Nachtarbeitnehmer müssen die gleichen Möglichkeiten zu Weiterbildungsmöglichkeiten oder Karrieremöglichkeiten haben wie andere Mitarbeiter. Sollten keine tariflichen Vereinbarungen bestehen, muss den Arbeitnehmern eine angemessene Anzahl an bezahlten freien Tagen gewährt werden.

Sonn- und Feiertage

Nicht nur das Arbeitszeitgesetz, sondern sogar das Grundgesetz enthält Regelungen, die das Arbeitsrecht an Sonn- und Feiertagen bestimmt. Der §9 Abs. 1 ArbZG bestimmt, dass Beschäftigte an einem Sonn- und Feiertag von 0 – 24 Uhr keiner Arbeitsbeschäftigung nachgehen dürfen.

Läuft der Betrieb in einem mehrschichtigen System, kann die Feiertagsruhe um 6 Stunden verschoben werden, sofern im Anschluss eine 24-stündige-Ruhefrist eingehalten wird.

Von dieser Ausnahme sind aber wiederum einige Bereiche ausgenommen. In Bäckereien dürfen die Beschäftigten an diesen Tagen 3 Arbeitsstunden arbeiten. Öffentlicher Dienst wie Rettungsdienste, Feuerwehr, Polizei, Krankenhäuser sowie Gaststätten oder ähnliche Einrichtungen sind von dieser Regelung ausgeschlossen. Sie dürfen den ganzen Tag arbeiten, um beispielsweise die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Für Messen oder Sportveranstaltungen kann eine einzelne Ausnahme erteilt werden.

Personen, die an Sonntagen arbeiten, müssen allerdings mindestens 15 Sonntage im Jahr frei haben. Die Einhaltungen der Sonntags- und Feiertagsruhe überwachen die Gewerbeaufsichtsämter.

Notfallsituationen

Auf dem Foto ist eine Dame, die sehr viel Arbeit zu erledigen hat. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, die gesetzlichen Pausenzeiten einzuhalten, damit keine unnötigen Fehler passieren.Im Falle eines Notfalles können die verschiedenen Regelungen zur maximalen Arbeitszeit sowie zur Einhaltung der Erholungszeiten umgangen werden. Solche Notfallsituationen treten bei Bränden; Naturkatastrophen, aber auch beim Verderben wichtiger Rohstoffe und Misslingen von Arbeitsergebnissen ein. Eine verspätete Lieferung oder eine hohe Krankenquote rechtfertigen diese Ausnahmesituation wiederum nicht.

Aber auch für diese Arbeitsstunden muss im Laufe der nächsten 6 Kalendermonaten ein Ausgleich stattfinden.

Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zur Arbeitszeiterfassung

Das EuGH hat 2019 beschlossen, dass Arbeitgeber dazu verpflichtet sein müssen eine Arbeitszeiterfassung seiner Mitarbeiter durchzuführen. Die Entscheidung beruht auf dem Grundrecht von Arbeitnehmer auf die Einhaltung von regelmäßigen Ruhezeiten sowie der Begrenzung der Höchstarbeitszeiten.

Aus diesem Grund müssen die Arbeitgeber ein System entwickeln, das eine genaue Wiedergabe der geleisteten Arbeit ermöglicht. Viele Unternehmen stehen vor der Frage, wie sie beispielsweise das Arbeiten im Homeoffice möglichst korrekt wiedergibt. Bisher mussten Firmen nur die Überstunden dokumentieren.